Kirchenorgel

Das Bild rechts zeigt die Ansicht der letzten Orgel in der Sassenberger Pfarrkirche. Der Orgelbauer Klingenhegel aus Münster baute diese Kegelladenorgel im Jahr 1953 unter Verwendung einiger weniger Register der Vorgängerorgel (Fleiter, ebenda, Baujahr 1898).

Die Orgel hatte ihren Platz in einem zum Kirchenschiff geöffneten Raum in der hinteren linken Ecke unserer Hallenkirche. Der Spieltisch wurde später auf Wunsch des Organisten auf die größere, mittige Hauptempore verbracht. Leider hat diese qualitativ wohl weniger hochwertige Orgel im Laufe der Jahrzehnte zunehmend gelitten und größere Reparaturen wären notwendig geworden. Im Hinblick auf den nicht optimalen Aufstellungsort und den schlechten Allgemeinzustand entschied man sich schließlich für einen Orgelneubau. Begünstigt wurde diese Entscheidung zudem durch einen versicherten Blitzeinschlag im Jahre 2004, der die alte Orgel nahezu gänzlich außer Gefecht setzte.

Die alte Orgel wurde dann im Zuge der Renovierungsarbeiten im Innenraum unserer Pfarrkirche in den Jahren 2005/2006 abgebaut. Die alten Orgelpfeifen wurden z. T. verkauft und der Erlös zur Finanzierung der neuen Orgel verwendet.

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Bereits im Mai 2001 wurde mit dem "Orgelwerk e.V." ein Verein gegründet, der sich für den Neubau und die Finanzierung einer neuen Orgel einsetzte. Nach dem Versagen der alten Orgel im Jahr 2004 und deren Ausbau, behalf sich die Gemeinde vorerst mit den Klängen eines Harmoniums. Zu diesem Zeitpunkt hatte das „Orgelwerk“ mit 100.000 Euro schon einen beachtlichen Grundstock für die neue Orgel geschaffen. Unser Organist Klaus Scheidweiler entwickelte ein deutsch-romantisches Orgelkonzept mit einem überaus reichen Klangspektrum und charakteristischen Farben.

Im Jahr 2005 fiel die Entscheidung, die Orgel von der Firma Hermann Eule Orgelbau in Bautzen/ Sachsen bauen zu lassen; ein Betrieb mit 130-jähriger Tradition im Orgelbauhandwerk und vielfältigen Erfahrungen mit Orgeln und Mensuren der deutschromantischen Epoche. Die Fa. Eule war auch bereit, den Wunsch des Orgelbauvereins nach einem (finanziell bedingt) abschnittsweisen Bau der Orgel mitzugestalten. Am Hochfest des Hl. Johannes des Täufers, am 24. Juni 2006 wurde der erste Bauabschnitt der neuen Orgel vom Orgelbauverein in Auftrag geben. Im April 2009 wurde auch der 2. Bauabschnitt beauftragt, der einen zweiten Spieltisch mit Funkanbindung sowie weitere 4 Register umfasste.

Die festliche Orgelweihe des 1. Bauabschnitts mit 28 Registern fand am 22. Juni 2008 im Rahmen einer Pontifikalvesper mit dem em. Weihbischof Ostermann statt. Das Weihekonzert spielte der Domkapellmeister von St. Eberhard in Stuttgart und Sachverständige des Orgelbauvereins, Martin Dücker. In den folgenden Monaten stellte sich die Orgel in einem Zyklus von 11 Konzerten verschiedenster Couleur vor. Die feierliche Übergabe der Orgel an die Kirchengemeinde erfolgte nach Fertigstellung des 2. Bauabschnitts am 19. Juni 2010.

Für Kenner sei noch die Disposition unserer neuen Kirchenorgel genannt:

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Hauptwerk

1. Bourdon 16’
2. Principal 8’
3. Gamba 8’
4. Gedackt 8’
5. Octave 4’
6. Rohrflöte 4’
7. Quinte 2 2/3’
8. Superoctave 2’
9. Cornett 5-fach
10.Mixtur 4-fach 2’
11.Trompete 8’

Schwellwerk

12.Geigenprincipal 8’
13.Salicional 8’
14.Flauto amabile 8’
15.Unda maris 8’
16.Fugara 4’
17.Flauto traverso 4’
18.Nasat 2 2/3’
19.Flautino 2’
20.Terz 1 3/5’
21.Progressio 2-4-fach
22.Oboe 8’
23.Clarinette 8’ Tremulant 

Pedal

24. Violonbaß 16’
25. Subbaß 16’
26.Octavbaß 8’
27.Gedacktbaß 8’ (Tr. HW)
28.Cello 8’ (Tr. HW))
29.Octave 4’ (Tr. HW)
30.Posaunenbaß 16’
31.Trompete 8’ (Tr. HW)

Koppeln: II/I, I/P, II/P mechanisch, Sub II/I, Sub II/II,
Super II/I, Super II/II (bis g’’’’ ausgebaut), elektrisch
Balanciertritt SW, Crescendo als Tritt
Mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur
Zweitspieltisch zur Chorbegleitung mit Funkverbindung (August 2009)

Konzeption: Klaus Scheidweiler
Sachverständiger: Martin Dücker, Stuttgart

Aus eigener Kraft - ein Werk für Generationen (Geschichte des Orgelwerk e.V.)

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Vorgeschichte

Spätestens Ende der 1990er Jahre tauchte in Kirchengemeinde vermehrt der Wunsch auf, die alte Kirchenorgel möglicherweise durch ein neues Instrument zu ersetzen. Die Orgel, nur vordergründig funktionstüchtig, war im Jahr 1953 unter teilweiser Umarbeitung älterer Register erbaut worden. Noch im Jahr 1993 durchgeführte Reparaturarbeiten hatten zwar die elektronische Funktion der Orgel vorerst gesichert, jedoch waren damit grundsätzliche Probleme nicht gelöst worden: Die bauliche Substanz der Pfeifen und Kegelladen der Orgel war unverändert miserabel.

Der unglückliche Standort des alten Orgelwerkes (auf der Empore des linken Seitenschiffs, räumlich getrennt von einem fahrbaren Spieltisch auf der mittleren Empore) erzeugte im Kirchenraum zudem ein unausgewogenes Klangbild. Zudem war der Organist nicht nur durch die elektrisch gesteuerte Spieltraktur, sondern auch akustisch vom Instrument abgekoppelt.
 
 
Gründung eines Orgelbauvereins
 
Orgelwerk_logoIn einem im April 2000 vorgelegten Konzeptpapier umriss Philipp Hülshörster – als nebenamtlicher Kirchenmusiker in vielen Vertretungseinsätzen an dieser Orgel mit deren Schwächen vertraut – Bezugsrahmen und Wege zu einem Orgelneubau. Norbert Happe, seit 1998 neuer Pfarrer in Sassenberg, stand der Idee des Orgelneubaus trotz der ungelösten Finanzierungsfrage offen gegenüber.Die ungeheure Bausumme von seinerzeit geplanten 600.000 DM ließ die Baupläne angesichts leerer Kassen jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen – denn die alte Orgel „spielte ja noch“. Andererseits hatten mittlerweile zwei Gutachten den „abgängigen“ Zustand der alten Orgel bescheinigt. So machten sich Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Ludger Frerichs und Philipp Hülshörster daran, die Vereinsgründung vorzubereiten. Unter diesen Vorzeichen trat am 1. Juni 2001 die Gründungsversammlung des Orgelbauvereins „Orgelwerk St. Johannes Evangelist Sassenberg e. V.“ zusammen. Die neun Gründungsmitglieder wählten Dr. Heinz-Josef Breuer zum 1. Vorsitzenden. Dem Vorstand gehörten weiterhin an: Philipp Hülshörster, Johannes Stolle, Franz-Josef Ostlinning sowie Pfr. Norbert Happe und der erst kurz zuvor nach Sassenberg gewechselte Organist Klaus Scheidweiler.

Für den Orgelbauverein kam von Anbeginn nur der Bau einer neuen Orgel von hervorragender Qualität und Langlebigkeit in Frage. Denn nur ein Instrument, das mehr als eine Generation zu überdauern vermag, würde den hohen persönlichen und finanziellen Aufwand von Mitgliedern und Spendern rechtfertigen, die auch außerhalb der Kirchengemeinde gefunden werden sollten. Die Orgel sollte Dreh- und Angelpunkt des kirchenmusikalischen Lebens in der Gemeinde mit ihren Chören und Musikgruppen werden. Dazu war die Orgel zunächst einmal aus ihrer langjährigen Nebenrolle in das Bewusstsein der Gemeinde zu rücken. Und nicht zuletzt eröffnete sich mit dem Orgelneubau die Chance, an einem für Sassenberg so bedeutsamen historischen Ort das kulturelle Profil der Stadt nachhaltig zu bereichern.

Nach der anfänglichen Euphorie wurde der Orgelbauverein jedoch rasch von der Realität eingeholt. Nach Prüfungen der Kirchengemeinde und des Bistums Münster wurde klar, dass weder die erhofften Zuschüsse, noch ein Darlehen für den Orgelneubau gestellt werden könnten. Das „Orgelwerk“ würde also bei der Finanzierung der Orgel auf sich gestellt sein.

Erntedank2009Weil eine Stiftung eines Einzelspenders in nennenswerter Größenordnung nicht in Sicht war, verband sich mit dem „Orgelwerk“ beinahe zwangsläufig die Idee, die Finanzierung der Orgel aus vielen kleinen Bausteinen zu organisieren. Die Idee der „Orgelpatenschaften“ war geboren. Für die ca. 1.800 Orgelpfeifen wurden einzelne Spender gesucht und gefunden. Von dem Orgelprojekt ließen sich immer mehr Sassenberger und auch auswärtige Orgelliebhaber begeistern. Im Laufe der Zeit unterstützten bis zu 120 Mitglieder den Verein mit regelmäßigen Beiträgen. Überdies unterstützte die Gemeinde die Orgelfinanzierung mit Kollekten.

Auch im Vereinsleben der Stadt war der Orgelbauverein schon bald eine feste Größe. Für die neue Orgel wurde Jahr für Jahr gebastelt, gestrickt, gebacken, getrödelt, gesungen und musiziert, gegessen und getrunken. Bei Platzkonzerten, beim alljährlichen Erntedankfest und Allerheiligenmarkt, auf Weihnachtsmärkten und anderen Festen trommelte das „Orgelwerk“ für das neue Instrument. So mancher ließ sich zum Geburtstag (Orgel-) „Pfeifen statt Flaschen“ schenken. Auch Kondolenzspenden wurden für die Orgel gestiftet. Die Chöre und einzelne Chormitglieder setzten immer wieder ihr musikalisches Engagement für die Orgel ein. Die fröhlichen Waldorf-Puppen der „fleißigen Bienen“ sind mittlerweile legendär und fest mit dem Orgelbauverein verbunden. Sichtbarer Erfolg aller Maßnahmen: Das Orgelkonto wuchs stetig an.

Die mit 30.000 € mit Abstand größte Einzelspende erhielt das „Orgelwerk“ von der Fa. Stockmeyer. Insgesamt kamen mehr als 70% der gesamten Spendensumme aus Einzelspenden kleiner als 5.000 € zusammen. An der Orgel beteiligten sich Sassenberger Vereine, Gruppen, Institutionen, Firmen und unzählige Einzelpersonen. Sie alle sowie die ehemaligen Mitglieder des Vereins sind in einem Stifterverzeichnis aufgeführt.

Die Umsetzung der neuen Orgel

Eule_Orgel_2Im Jahr 2004 versagte die alte Orgel nach einem versicherten Blitzeinschlag fast komplett ihren Dienst und wurde danach abgebaut. Die Gemeinde behalf sich vorerst mit den Klängen eines Harmoniums. Zu diesem Zeitpunkt hatte das „Orgelwerk“ mit 100.000 Euro schon einen beachtlichen Grundstock für die neue Orgel geschaffen. Nun konnten die Bauplanungen vorangetrieben werden. Klaus Scheidweiler entwickelte ein deutsch-romantisches Orgelkonzept mit einem überaus reichen Klangspektrum und charakteristischen Farben.

Im Jahr 2005 fiel die Entscheidung, die Orgel von der Firma Hermann Eule Orgelbau in Bautzen/Sachsen bauen zu lassen; ein Betrieb mit 130-jähriger Tradition im Orgelbauhandwerk und vielfältigen Erfahrungen mit Orgeln und Mensuren der deutsch-romantischen Epoche. Die Fa. Eule war auch bereit, den Wunsch des Orgelbauvereins nach einem (finanziell bedingt) abschnittsweisen Bau der Orgel mitzugestalten. Am Hochfest des Hl. Johannes des Täufers, am 24. Juni 2006 wurde der 1. Bauabschnitt der neuen Orgel vom Orgelbauverein in Auftrag geben. Im April 2009 wurde auch der 2. Bauabschnitt beauftragt, der einen zweiten Spieltisch mit Funkanbindung sowie weitere 4 Register umfasst.

Die festliche Orgelweihe des 1. Bauabschnitts mit 28 Registern fand am 22. Juni 2008 im Rahmen einer Pontifikalvesper mit dem em. Weihbischof Ostermann statt. Das Weihekonzert spielte der Domkapellmeister von St. Eberhard in Stuttgart und Sachverständige des Orgelbauvereins, Martin Dücker. In den folgenden Monaten stellte sich die Orgel in einem Zyklus von 11 Konzerten verschiedenster Couleur vor. Die feierliche Übergabe der Orgel an die Kirchengemeinde und der Abschied vom „Orgelwerk“ erfolgte nach Fertigstellung des 2. Bauabschnitts an einem Festwochenende am 19. Und 20. Juni 2010. Der Samstag begann mit einem Festgottesdienst, im Rahmen dessen die neuen Register vorgestellt und die Schenkungsurkunden unterzeichnet wurden. Anschließend fand ein „Orgelball“ im Saale Börding statt. Für das Festkonzert an der Orgel am Sonntag kam Herr Norbert Richtsteig, Domorganist im Hohen Dom zu Aachen, nach Sassenberg.

Der Orgelbauverein wurde nach vollendeter Arbeit in einer abschließenden Mitgliederversammlung einige Zeit später aufgelöst und die verbliebenden Restgelder für den laufenden Unterhalt der neuen Orgel zur Verfügung gestellt.

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