Das letzte Abendmahl

WN Serie zum Kirchenjahr Das letzte AbendmahlPfarrer Andreas Rösner präsentiert eine alte Ratsche. Das Ratschen ist ein Brauch, der in katholischen Gegenden in der Karwoche gepflegt wird. Kinder ziehen mit hölzernen Lärminstrumenten los, um die Gläubigen an Gebetszeiten und Gottesdienste zu erinnern. Foto: Ulrich LieberWN-Serie zum Kirchenjahr

Sassenberg/Füchtorf - Ostern fällt nicht aus! Das ist vielleicht die frohe Botschaft zum Pandemiejahr 2020. Mit dem Gründonnerstag beginnen wie in jedem Jahr die drei Heiligen Tage, das sogenannte Triduum Sacrum, die Osterzeit. Mit der Vorstellung einiger Ausstattungsstücke unserer Pfarrkirche und deren reichhaltiger Symbolik soll versucht werden, an den Ursprung und an die Bedeutung dieser Feiertage zu erinnern.

Der Ursprung der nur im deutschen Sprachraum üblichen Bezeichnung Gründonnerstag ist unklar. Recherchen dazu erbringen gleich etliche Erklärungsversuche, die alle mehr oder auch weniger überzeugend sind. Führten etwa die vom Mittelhochdeutschen abgewandelten „Greinenden“ (Weinenden), die Büßer der Fastenzeit, die früher zum Gründonnerstag aus der Bußzeit entlassen wurden, zu der Namensgebung oder war es die früher für diesen Tag übliche liturgische Farbe Grün, die später durch Weiß ersetzt wurde? Viel bedeutender als diese Frage ist jedoch die Tatsache, dass mit diesem fünften Tag der Karwoche, das Triduum Sacrum, die drei Heiligen Tage, wie sie seit dem 4. Jahrhundert genannt werden, beginnen. Gemeint sind Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern , die zum Gedenken an das letzte Abendmahl, an den Kreuzestod und an die Auferstehung Christi gefeiert werden.

Der Gründonnerstag, der Tag an dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feierte, ist somit der Beginn des höchsten Feiertagszyklus des Kirchenjahres und der gesamten Christenheit. Dieses Abendmahl wird von den unterschiedlichsten christlichen Konfessionen, egal ob evangelisch, katholisch oder orthodox, als heilige, gemeinschaftliche Handlung im Gottesdienst begangen. Hierin liegt jedoch der kleinste gemeinsame Nenner der christlichen Kirchen. Keine andere theologische Aussage hat mehr fundamental Trennendes als der jahrhundertelange Streit um die Bedeutung des Abendmahls bzw. der Eucharistie.

Während die reformierten Christen das Abendmahl als ein reines Erinnerungsfest, als ein Symbol ansehen, glauben die Katholiken an die Realpräsenz Jesu in Brot und Wein, die auch die Lutheraner vertreten, hier allerdings abhängig vom Glauben eines jeden Einzelnen. Aber immer weniger Christen unterschiedlicher Konfessionen lassen sich durch die bis heute offiziellen kirchlichen Verbote oder theologischen Spitzfindigkeiten vom gemeinsamen Empfang des Abendmahles abhalten und werden dazu auch nicht selten vom Priester eingeladen.

Dieser KelchDieser Kelch ist ein Werk der aus Ennigerloh stammenden Künstlerin Hilde Schürk-Frisch (1915 bis 2008). Foto: Ulrich LieberIn der Gründonnerstagsliturgie stehen zwei außerordentliche Symbolhandlungen im Fokus. Neben der Einnahme des gemeinsamen Mahles unter beiderlei Gestalten, gibt es als besonderes Ritual die Fußwaschung, bei der der Priester zwölf Gemeindemitgliedern die Füße wäscht. Nach dem Gloria verstummen dann bis zur Osternacht die Schellen, die Glocken und die Orgel. „Die Glocken fliegen nach Rom“- heißt es im Volksmund, und es ertönen dann nur noch die sogenannten Ratschen. Mit diesen hölzernen Lärminstrumenten erzeugen (meistens) Messdiener* innen laute, knatternde Geräusche, die dann bis zur Osternacht auch das Geläut der Kirchenglocken ersetzen.

In der Sassenberger Pfarrkirche kommt in der Eucharistiefeier des Gründonnerstagabends ein besonderer Messkelch zur Geltung, der in den 1970er Jahren dem damaligen Pfarrer Albert Hünteler von der Seniorengemeinschaft der Pfarrgemeinde gestiftet wurde. Dieser Kelch ist ein Werk der aus Ennigerloh stammenden Künstlerin Hilde Schürk-Frisch (1915 bis 2008). Diese, mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnete Bildhauerin, hat nicht nur viele Einzelwerke, sondern in der Nachkriegszeit auch ganze Altar- und Kirchenräume neu geschaffen. Ein Schwerpunkt ihres Lebenswerkes war das Thema Mensch sowie das Verhältnis des Menschen zu Gott, das auch in der Gestaltung dieses Messkelches zum Ausdruck kommt. Die Darstellung der Hände, die sich einander berühren, sind bei Schürk-Frischs Werk als Symbol der eucharistischen Mahlgemeinschaft in der Verbindung mit Gott zu verstehen.

Der PelikanDer Pelikan hat eine christliche Symbolik: Schon in der antiken Mythologie galt der Pelikan als ein Tier, das sich für seine Jungen durch das Füttern mit seinem eigenen Blut aufopfert und stirbt. Foto: Ulrich LieberEin weiteres Symbol der Eucharistie befindet sich heute in der Sakristei der Pfarrkirche. Es handelt sich um eine Holzplastik eines Pelikans, die ursprünglich in den mittleren Teil der ehemaligen barocken Kommunionbank eingearbeitet war und später, bis zur letzten Kirchenrenovierung, einen Platz im Chorraum über dem Tabernakel hatte. Die christliche Symbolik des Pelikans ist in der heutigen Zeit sicherlich schwer zu vermitteln.

Schon in der antiken Mythologie galt der Pelikan als ein Tier, das sich für seine Jungen durch das Füttern mit seinem eigenen Blut aufopfert und stirbt. Nach dem „Physiologus“, dem frühchristlichem Tierkompendium aus dem 2. bis 4. Jahrhundert, öffnet der Pelikan mit seinem Schnabel die eigene Brust um mit dem ausströmenden Blut seine toten Jungen wieder zum Leben zu erwecken. Der Pelikan wurde so zu einem Symbol für Christus, der sein Blut vergießt und sein Leben für die Menschen hingibt und somit auch zum Symbol für die Eucharistie. Aus diesem Grunde fand der Pelikan über Jahrhunderte seinen festen Platz in der darstellenden christlichen Kunst und ist bis heute auf zahlreichen sakralen Ausstattungsstücken wie Kelchen, Tabernakeln oder eben auch Kommunionbänken wieder zu finden. Der Sassenberger Pelikan wird darüber hinaus von Weinreben und Kornähren flankiert, die ebenfalls sinnbildlich als Brot und Wein für die Eucharistie stehen.

Quelle: WN vom 09.04.2020  /  Text: Dr. Ansgar Russel  |  Fotos: Ulrich Lieber

 

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