Serie zum Kirchenjahr Hat Jesus das gewolltDie bekanntesten Symbole der Adventszeit sind der Adventskranz und der Adventskalender.Die Tradition des Kranzes geht auf den evangelischen Theologen und Sozialpädagogen Johann Hinrich Wichern aus Hamburg zurück, nach dem auch eine Straße in Sassenberg benannt ist. Foto: Ansgar RussellSerie zum Kirchenjahr

Sassenberg - Im Gegensatz zum Kalenderjahr beginnt das Kirchenjahr für die katholischen und evangelischen Christen nicht am Neujahrstag mit einem Feuerwerk, sondern am ersten Adventssonntag mit dem Licht der ersten Kerze des Adventskranzes. In einer kleinen Serie beleuchten die Westfälischen Nachrichten das Kirchenjahr und dessen Besonderheiten.

Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Kalenderjahr dem Ende zuneigt. Erste Spuren einer eigenständigen Adventszeit finden sich in den orientalischen Kirchen und reichen zurück bis ins 5. Jahrhundert. Von Anfang an galt diese Zeit den Christen als Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, das Fest der Geburt Christi. So entstand aus dem lateinischen „adventus domini“, der „Ankunft des Herren“, der Name Advent. Zunächst wurde die Adventszeit entsprechend der vorösterlichen Zeit als sechswöchige Fastenzeit begangen, später wurde sie auf vier Wochen verkürzt. Einige Regionen jedoch, wie zum Bespiel Mailand, halten bis heute noch an einer sechswöchigen Adventszeit fest.

Was hat uns diese Zeit aktuell, in der die Bezeichnung „Advent“ mehr und mehr verloren geht und durch die „Vorweihnachtszeit“ ersetzt wird, noch zu sagen? Immer mehr entsteht der Eindruck, dass das Weihnachtsfest lediglich als Anlass zu einem vierwöchigen Dauerevent dient, das dann abrupt am zweiten Weihnachtsfeiertag endet.

Nicht wegzudenken in dieser Zeit sind die sehr unterschiedlich gestalteten, oft vor schönen Altstadtkulissen einladenden Weihnachtsmärkte mit stimmungsvoller Atmosphäre. Aber natürlich kennen wir auch jene Weihnachtsmärkte, die mit Dauerbeschallung durch Weihnachtslieder, mit Nikoläusen und Weihnachtsmännern im Dauereinsatz und mit Glühwein beseelten Kleingruppen in manchmal peinlich wirkender Aufmachung einem Oktoberfest ähneln.

Die bekanntesten Symbole der Adventszeit sind der Adventskranz und der Adventskalender. Die Tradition des Kranzes ist noch recht jung und geht auf den evangelischen Theologen und Sozialpädagogen Johann Hinrich Wichernaus Hamburg zurück, nach dem auch eine Straße in Sassenberg benannt ist. Wichern errichtete in der Hafenstadt das Waisenheim „Raues Haus“ und aufgrund des ungeduldigen Wartens seiner Schützlinge auf das Weihnachtsfest soll dieser zum ersten Mal 1838 ein altes, hölzernes Wagenrad mit 19 kleinen Kerzen für die Wochentage und vier großen Kerzen für die Sonntage versehen haben. Jeden Tag wurde während einer Andacht eine Kerze angezündet und für jedes Kind rückte so das Weihnachtsfest sichtbar immer näher. Später kam als Schmuck Tannengrün hinzu und während sich der Brauch des Adventskranzes in der evangelischen Kirche rasch verbreitete, hing in einer katholischen Kirche erst 1925 der erste Adventskranz.

Seitdem schmücken Adventskränze als symbolreiche Zeichen dieser Zeit nicht nur Kirchenräume sondern auch viele Privathäuser. Das wichtigste Element des Adventskranzes ist ohne Zweifel die Kerze mit dem Symbol des Lichtes, das Wärme vermittelt und Hoffnung machen soll. Nach der Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes schuf Gott als allererstes das Licht und im Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis“.

Die Sassenberger Pfarrkirche bietet zudem in der Adventszeit eine Besonderheit. Seit Jahren gestalten Ehrenamtliche schon zum ersten Advent in der ehemaligen Taufkapelle eine besondere Krippenlandschaft, die mit unterschiedlichen, manchmal auch unkonventionellen und provokanten Bildern in dieser Zeit zum Nachdenken anregen soll. In diesem Jahr klagt sie unter dem Motto „Hat Jesus das gewollt“ die Zerstörung der Schöpfung, eben unserer Umwelt und die unserer Kinder und Enkelkinder an.

Für die Kirchen wird es zunehmend schwieriger dem allgemeinen Trend der Sinnentleerung standzuhalten und die ursprüngliche Bedeutung der Adventszeit zu vermitteln, obwohl mancher Pfarrer erlebt, dass zu den Adventssonntagen die Kirchenbänke doch etwas besser besetzt sind. Frühschichten, stimmungsvolle Rorate-Ämter, aber auch die Gottesdienste der Adventssonntage mit ihrem ausdrucksstarken Liedgut, das immer wieder auf das Warten auf „adventus domini“, die „Ankunft des Herrn“, hinweist, stehen für diese besondere Zeit des Kirchenjahres.

Die Adventszeit kann die Zeit sein, in der Menschen häufiger zusammenfinden. Sei es zum geselligen Treffen auf dem Weihnachtsmarkt, sei es zu guten Gesprächen bei Kerzenlicht oder zum Singen und Musizieren – denn auch das gibt es noch. Es ist eben eine besondere Zeit, diese Adventszeit, wo das Kirchenjahr beginnt und das Kalenderjahr zu Ende geht - besetzt mit manchen Hoffnungen, Erwartungen und vielleicht auch manchen Sehnsüchten.

Quelle: WN vom 30.11.2019  /  Text & Foto: Ansgar Russell  

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